TÖPFERKURS

 

© House of Homburg

ALLES WABI-SABI!

 

Kennt Ihr das befreiende Gefühl, wenn man dem Kind endlich einen Namen geben kann? Um meinen Stil zu beschreiben, benötige ich mindestens 10 Adjektive und habe trotzdem das Gefühl, den Punkt nicht getroffen zu haben. Doch ab jetzt gibt es nur noch eins: wabi-sabi!
Was das ist? Laut Wikipedia ist wabi-sabi die japanische Bezeichnung für eine Ästhetik des Unperfekten, die sich durch Asymmetrie, Rauheit, Unregelmäßigkeit, Einfachheit und Sparsamkeit auszeichnet. Das passt. Ich bin durch und durch wabi-sabi! Und wie kam ich zu dieser Erkenntnis? Durch einen Töpfer-Intensiv-Kurs! Aber der Reihe nach...

Bei unserem letzten Besuch im Restaurant „Ombu“ auf Mallorca hatte ich mich schockverliebt. Ja, auch in das Essen, aber das i-Tüpfelchen war das Geschirr. Thunfisch-Tataki & friends lagen exquisit drapiert auf grob getöpferten Steinguttellern und        -schälchen. Jedes Geschirrteil war ein Unikat und gab den kulinarischen Kreationen einen spannenden und lässigen Twist. Lebensmittel-Bilder mit homöopathisch großen Soßenklecksen hatten auf diesen Tellern keine Chance. Kein Schnickschnack, nur ehrliche, pure Zutaten auf authentischem Geschirr. Herrlich!

Eine Recherche im Internet ergab, dass es sich um japanisch-inspiriertes Geschirr im wabi-sabi-Stil handelte. Voilà! Da hatten wir es. Wabi-sabi!

Wo bekomme ich so etwas her? Ähnliches Zeug lag jahrelang bei uns im Geschirrschrank herum. Mitbringsel von irgendeinem Selbstfindungstrip auf Ibiza. Selbst auf dem Flohmarkt wurde man es nicht los. Und jetzt ist es plötzlich das Must-Have.

Nach einigen Recherchen im Internet war klar, dass mich mein neuester wabi-sabi-Fimmel sehr wahrscheinlich arm machen würde. So war also mein nächstes Heimwerk-Projekt geboren. Korrektur: Wohl kein Heimwerk, sondern ein Außer-Heimwerk. Das Projekt war definitiv eine Nummer zu groß für unseren Ofen.

 

© House of Homburg
© House of Homburg

 

Also auf zum nächsten Töpferkurs. 4 Tage, 9 matsch-affine Frauen, 30 Kilo Ton, 8 Töpferscheiben und 1  Lehrerin - die reizende und tiefenentspannte Elisabeth Reuter von der Keramik-Werkstatt in Friedberg. Und das kam dabei raus. 
Nehmen Euch Zeit und schaut es Euch schön.

 

© House of Homburg
© House of Homburg

Ich hatte viel Spaß. Das Modellieren eines Geschirrteils aus einem Klumpen Ton ist nicht nur haptisch ein tolles Gefühl, sondern auch unheimlich spannend - insbesondere für Töpfer-Anfänger. Jeder Klumpen Ton ist eine Wundertüte, jedes Werkstück eine Überraschung und nie gleich.  Als persönliche Note habe ich meinen Tellern und Schalen im wahrsten Sinne des Wortes meinen Stempel aufgedrückt. Das ist aber auch die einzige Dekoration, denn die Keramik wirkt allein durch ihre Form und Farbgestaltung - außen ist sie schwarz und innen cremeweiß- bzw. türkisfarben.

 

© House of Homburg

Der Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt. Und jetzt kommt das Beste: weil es nicht perfekt aussehen soll, ist auch kein Leistungsdruck dabei. Alles wabi-sabi!

 

Übrigens hat in England gerade die Sendung „The Great Pottery Throw Down“ einen absoluten Hype ausgelöst und Millionen Briten an die Töpferscheiben getrieben. Die Kurse sollen über die nächsten Monate ausgebucht und Wartelisten angelegt worden sein.

 

Gestern Malbuch, heute Töpfern.

© House of Homburg
© House of Homburg